Prinz Charles rät!

Weil Lebensmittel teurer werden, sollen die Leute wieder eigenes Gemüse anbauen. Aber lohnt sich das überhaupt?

Ganz neu ist die Idee nicht. Im Zweiten Weltkrieg riefen viele Länder zur «Anbauschlacht», auch die Schweiz. Weil die Nahrung ausging, sollte die Bevölkerung jeden Quadratmeter nutzen, um eigenes Gemüse anzubauen.

«Nun wird die Selbstversorgung mit Essen wieder wichtiger», sagte Prinz Charles (59) an einem grossen Gartenfest in England. Als Grund nannte der Thronfolger den hohen Ölpreis, der Lebensmittel immer teurer macht: «Das ist der richtige Zeitpunkt, um die Leute zu ermutigen, ihr eigenes Gemüse anzupflanzen.»

In England, aber auch in den USA haben die Umsätze mit Saatgut bereits deutlich angezogen.

Der Prinz ist leidenschaftlicher Gärtner, ihm gehören 360 Hektaren Ackerland. Doch er betont, man müsse kein Landgut besitzen: «Eine Blumenkiste ist ein perfekter Anfang.»

Tatsächlich lohnt sich der eigene Garten auch in Friedenszeiten. Und bei steigenden Nahrungspreisen umso mehr. Kosten und Nutzen von Schweizer Hausgärten wurden 2007 genau untersucht. Dabei hat man berechnet, wie viel man spart, wenn man die Ware anbaut statt im Laden kauft. Die eigene Arbeitszeit wurde ebenfalls einkalkuliert.

Diese Sorten lohnen sich besonders: Endivien, Gurken, Rüebli, Lauch, Nüsslisalat, Randen und Zuckerhut.

Zucchini sind finanziell interessant, aber arbeitsintensiv. Genau umgekehrt ist es bei Broccoli, Zwiebeln und Fenchel. Weniger geeignet sind Kopfsalat und Tomaten: viel Arbeit, geringer Spareffekt. Im Durchschnitt muss man nur gerade mit 50 Minuten Arbeit pro Quadratmeter und Saison rechnen.

Aber was, wenn ich keinen Garten habe? Hat Charles recht: Gedeihen die Pflanzen auch auf dem Fensterbrett? Grundsätzlich ja, sagt Martin Kündig, Obergärtner am Bildungszentrum Wallierhof in Riedholz SO. «Doch in Geranienkistchen würde ich mich auf Kräuter beschränken.»

Stattdessen empfiehlt der Experte, auf dem Balkon einen Trog aufzustellen. Oder sogar mehrere. Die sind tiefer und eignen sich deshalb auch für Kohlgewächse.
Zur vollständigen Selbstversorgung reichen aber auch Balkontröge nicht. Da muss ein Schrebergarten her. In England ist Grünfläche inzwischen wieder sehr gefragt.

Auch bei uns steigt jeweils das Interesse, sobald Gemüse teurer wird, bestätigt Walter Schaffner vom
Familiengärtner-Verband. «Aber Wartelisten für Schrebergärten sind in der Schweiz nicht neu. Die gibt es immer.»