Projekt FIBL

Ziel dieses Projekts ist es, den Kenntnisstand und Wissensbedarf von FamiliengärtnerInnen
hinsichtlich biologischer Gartenbewirtschaftung und ihre Einstellung gegenüber dem
Biolandbau zu untersuchen. Unter Berücksichtigung des bestehenden Bildungs- und Beratungsangebots
sollen Ansätze zur Förderung der biologischen Gartenpraxis aufgezeigt
werden (z.B. Schwerpunktsetzung in Kursangeboten).

1. Hintergrund
Familiengärten kommt eine wichtige soziale und ökologische Funktion in Städten zu (BAFU 2006).
Seitens des Schweizer Familiengärtner-Verbands und einzelner Städte (z.B. Basel, St. Gallen,
Lausanne) wird das Ziel der naturnahen bzw. biologischen Bewirtschaftung der Familiengärten
verfolgt. Gründe für die angestrebte naturnahe bzw. biologische Bewirtschaftung sind unter anderem
die verschiedenartige Schadstoffbelastung von Böden in Gartenanlagen und die Bedeutung
von Familiengärten für die Biodiversität im Stadtgebiet. Doch Untersuchungen in Schweizer Familiengärten
zeigen, dass unter dem Begriff des naturnahen Gärtnerns vielfach nur der Verzicht auf
Kunstdünger und Spritzmittel verstanden wird (Kern 2005, Christl et al. 2004), während andere
wichtige Aspekte, wie die Förderung der Biodiversität, Schutz der Gewässer und des Bodens, ausser
Acht gelassen werden.

2. Stand des Wissens
Während aus der Forschung die Bestimmungsgründe für ökologisches Handeln von Konsumenten
und Landwirten bekannt sind (z.B. Vogel und Larcher 2007, Stolz et al. 2011), fehlen Informationen
darüber, wie das ökologische Handeln von FamiliengärtnerInnen (also die ökologische Gartenpraxis)
gefördert werden kann. (Ökologisches) Handeln wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst.
Laut Ajzen (1991) kommt den Einstellungen eine wichtige Rolle zu. Nach Fietkau und
Kessel (1981) wirkt sich auch Wissen auf Verhalten aus. Zwischen Einstellungen und Wissen besteht
ein Zusammenhang. Eine vorhandene Einstellung kann sich durch neues Wissen verändern,
umgekehrt beeinflussen Einstellungen und Werte auch die Informationsaufnahme und das Wissen.
Laut Jurt (2003) lässt sich ohne Informationen eine von aussen intendierte Verhaltensänderung
nicht motivieren. Eine weitere Determinante für Handlungsintention ist laut Ajzen (1991) der wahrgenommene
soziale Druck zum Durchführen bzw. zum Unterlassen einer Handlung. Im Familiengartenwesen
sind soziale Netze von besonderer Bedeutung (Wohatschek 2008). Die Mitgliedschaft
in einem Familiengartenverein bedeutet Einbindung in soziale Netze von Menschen unterschiedlichen
Alters, unterschiedlichem Familien- und Berufsstatus und unterschiedlicher ethnischer
Herkunft (BMVBS und BBR 2008). Die Wichtigkeit des Themas Umwelt- und Naturschutz im Familiengartenwesen
ist auch auf die Öffentlichkeitsarbeit und Schulungen der Gartenvereine, Verbände
und Städte zurückzuführen (BMVBS und BBR 2008). Die Familiengartenvereine bzw. Städte
haben hierbei eine zentrale Rolle, nehmen sie doch durch die Satzung und Gartenordnung sowie
durch die angebotene Fachberatung Einfluss auf die Gartenbewirtschaftung und auf das Natur und
Umweltbewusstsein der FamiliengärtnerInnen. Die erfolgreiche Umsetzung einer Handlung ist
allerdings nicht nur von der Stärke der Absicht abhängig, eine Handlung durchzuführen bzw. ein
Handlungsziel erreichen zu wollen, sondern wird zum Teil auch von nicht motivationalen Faktoren,
wie der Verfügbarkeit von Ressourcen (z.B. Zeit, Geld, Fertigkeiten, Kooperation mit anderen)
(Pregernig 1999) bedingt.

3. Projektziel
Vor diesem Hintergrund soll mit dem vorliegenden Projekt der Kenntnisstand und Wissensbedarf
von FamiliengärtnerInnen hinsichtlich biologischer Gartenbewirtschaftung und ihre Einstellung gegenüber
dem Biolandbau und allgemeinen Umweltthemen (z.B. Klimaschutz, Biodiversität) ermittelt
werden. Im Fokus steht dabei die Bedeutung von Wissen für die (biologische) Gartenpraxis.
Unter Berücksichtigung des bestehenden Bildungs- und Beratungsangebots sollen gemeinsam mit
FamiliengärtnerInnen und ihren Vereinen innovative, erfolgversprechende Ansätze aufgezeigt
werden, um das Umweltbewusstsein und die biologische Gartenpraxis von FamiliengärtnerInnen
zu fördern. Diese Ansätze haben zum Ziel, die FamiliengärtnerInnen bei der biologischen Bewirtschaftung
des eigenen Gartens zu unterstützen und somit zur nachhaltigen Erzeugung gesunder
Lebensmittel anzuregen.
Das Projekt leistet daher einen Beitrag zur Förderung der Biodiversität im Siedlungsraum (Biodiversitätsstrategie
der Schweiz, BAFU 2011) und zur Minderung der Boden- und Gewässerbelastung
auf städtischen Flächen. Die Ergebnisse ermöglichen es, die wichtige Bedeutung von Familiengärten
in Städten sichtbar zu machen.
Die folgenden Forschungsfragen sollen im Rahmen des Projekts untersucht werden:
Welches Wissen zur biologischen Gartenpraxis besteht seitens der FamiliengärtnerInnen?
Inwiefern ist es für FamiliengärtnerInnen möglich, einen Bezug zu schaffen zwischen abstrakten
Umweltthemen (z.B. Biodiversität, Klima- und Bodenschutz, Ernährungssicherheit) und ihrer eigenen
Gartenpraxis?
Welche Einflussfaktoren fördern beziehungsweise hemmen die biologische Gartenpraxis? Welche
Rolle spielen hier insbesondere Einstellungen, Wissen sowie Rahmenbedingungen (soziodemografische,
institutionelle)?
Wie erfolgt der Wissenstransfer und -austausch in Familiengartenvereinen und wie kann dieser
verbessert werden? Welche Rolle spielen dabei soziale Netzwerke und welche Bedeutung
kommt den Familiengartenvereinen zu?
Welche Rolle spielen unterstützende Organisationen, wie zum Beispiel Bioterra?
Welcher Informations- und Beratungsbedarf besteht seitens der FamiliengärtnerInnen? Durch
welche Ansätze kann das Umweltbewusstsein und die biologische Gartenpraxis von FamiliengärtnerInnen
(-Typen) gefördert werden (z.B. innovative Lernmethoden)? Welche Handlungsansätze
ergeben sich hier insbesondere für unterschiedliche Akteure (Stadtverwaltung, Familiengartenverein
etc.)?

4. Vorgehensweise
Das Forschungsvorhaben besteht aus vier aufeinander aufbauenden Modulen, welche innerhalb
einer Laufzeit von 1,5 Jahren in verschiedenen Städten unterschiedlicher Grösse und regionaler
Verteilung (z.B. Basel, St. Gallen, Lausanne) durchgeführt werden soll.
Um die Praxisrelevanz des Projektes zu gewährleisten, werden 3-5 Akteure aus der Praxis (z.B.
Vertreter des Schweizer Familiengärtner-Verbands, Gartenberater, Stadtverwaltung) über die gesamte
Projektlaufzeit als Begleitgruppe in das Projekt eingebunden (halbjährliches Monitoring- Treffen, Zwischenberichte).
Modul 1
werden Fallbeispiele ausgewählt und eine Bestandsanalyse des Informations und Beratungsangebotes für FamiliengärtnerInnen
durchgeführt. Dies erfolgt mittels Literaturrecherche sowie durch die Befragung einzelner Vereine, Verbände, Institutionen.
Als Fallbeispiele sollen unterschiedliche Familiengartenvereine ausgewählt werden, d.h.Familiengartenvereine, in denen z.B. die biologische Praxis eine wichtige/weniger wichtigere Rolle spielt oder Familiengartenvereine mit grossem/geringem Angebot an biologischer Beratung. Pro Stadt sollen zwei Vereine für die in Modul 2 und 3 durchgeführten Studien ausgewählt werden.
Modul 2
wird eine erste Befragung von FamiliengärtnerInnen unter Anwendung qualitativer Befragungsmethoden (z.B. qualitative
Interviews, Gruppendiskussion) durchgeführt. Diese dient dazu, den Kenntnisstand von FamiliengärtnerInnen hinsichtlich biologischer
Gartenbewirtschaftung und deren Einstellung gegenüber dem Biolandbau und allgemeinen Umweltthemen
(z.B. Klima- und Bodenschutz, Biodiversität, Ernährungssicherheit) zu ermitteln. Für die Befragung werden pro Stadt ca. 8 bis 10 FamiliengärtnerInnen ausgewählt. Auswahlkriterien sind neben soziodemografischen Faktoren (z.B. Alter, Geschlecht) auch die Bewirtschaftungsjahre des Familiengartens oder das soziale Engagement im Familiengartenverein. Da die Befragung
auch die Spezifika des Familiengartenvereins erfassen sollen, werden neben einzelnen Vereinsmitgliedern auch Vertreter des Vorstands der Familiengartenvereine und Fachberater (Akteure „Familiengartensystem“) befragt. Hierbei ist insbesondere die aktuelle Praxis der Beratung und Wissensvermittlung, d.h. angewandte Methoden zur Förderung der nachhaltigen Gartenpraxis
und die Erhebung der Rahmenbedingungen für das biologische Gärtnern (Biobetriebsmittelbeschaffung etc.) von Interesse.
Modul 3
werden anhand einer quantitativen Befragung (ca. 200 auswertbare Fragebögen pro Stadt) die in der qualitativen Umfrage gewonnenen Erkenntnisse verifiziert, um so generalisierbare Erkenntnisse ableiten zu können. Hierbei werden nicht nur die FamiliengärtnerInnen der Fallbeispiele befragt, sondern auch andere Familiengartenvereine in den ausgewählten Städten.
Ziel der quantitativen Befragung ist die Untersuchung von Einstellungen, Kenntnisstand und anderen Einflussfaktoren, die mit der Bereitschaft zur naturnahen, bzw. biologischen Gartenpraxis in Zusammenhang stehen. Ein weiteres Ziel der quantitativen Untersuchung ist die Bildung von Kleingärtner-Typen entsprechend der erhobenen Faktoren.
Modul 4
werden basierend auf den Ergebnissen der Befragung Ansätze erarbeitet wie das Umweltbewusstsein und die ökologische Gartenbewirtschaftung von FamiliengärtnerInnen basierend auf der in Modul 3 untersuchten Zusammenhänge gefördert werden können. Diese Vorschläge werden in einem Workshop mit den in Modul 2 interviewten Akteuren des „Familiengartensystems“
und Vertretern des Umfelds (Stadtverwaltung, Kursleiter etc.) diskutiert. Die Ergebnisse des Projekts werden FamiliengärtnerInnen und ihren Vereinen, Beratungsinstitutionen, Naturschutzinstitutionen, Stadtverwaltungen etc. sowie der breiten Öffentlichkeit über verschiedene Medien (z.B. Familiengärtner-Verbandszeitschriften, Gartenzeitschriften, Regionalzeitungen) zugänglich
gemacht. Zudem werden die Ergebnisse wissenschaftlich publiziert. Ausserdem wird in jeder am Projekt teilnehmenden Stadt eine Informationsveranstaltung für am Projekt beteiligte Akteure, Geldgeber und andere Interessenten stattfinden. stattfinden.Informationsveranstaltung für am Projekt beteiligte Akteure, Geldgeber und andere Interessenten stattfinden.

5. Zeitplan
Die geplante Laufzeit des Forschungsvorhabens ist von Januar 2013 bis Juni 2014.

Seitens des Schweizer-Familiengarten-Verbands wurde eine finanzielle Unterstützung zugesprochen. Seitens BAFU, Bioterra und der Städte Basel und Lausanne erwarten wir demnächst eine Entscheidung über die finanzielle Projektunterstützung.